Mit Papageien leben

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Graupapageien - mutiger dank Training

von Petra Föh

Graupapagei

Heute möchte ich anhand einiger Fotos einen etwas anderen Vorteil zeigen, den das Training mit meinen Papageien hat. Ich trainiere nicht, um meine Vögel zu Clowns zu machen. Meine Tiere tun auch nicht "alles", weil sie Hunger haben. Nein, so ist es nicht. Meine Tiere haben immer den Futternapf gefüllt, und das nicht mit Pellets oder Sämereien. Nein, sie werden von mir sehr abwechslungsreich versorgt.

Jeder Halter wird sich schon Gedanken gemacht haben, was passiert mit meinen Tieren, wenn ich einmal krank werde oder ich sie altersbedingt nicht mehr versorgen kann, oder, oder! Auch ich gehöre dazu, dieses Jahr werde ich 61 Jahre alt. Mein ältester Graue ist mittlerweile über zwanzig Jahre alt und mein jüngster wird dieses Jahr zehn Jahre. Wenn man bedenkt, dass Graupapageien 50 oder sogar über 60 Jahre alt werden können, kann ich mir ja ausrechnen, dass sie mich somit überleben werden. Ich liebe meine Tiere sehr und möchte nicht, dass sie in einer Auffangstation für Papageien enden. Ich habe mir schon einige solche Stationen angesehen und bin immer sehr deprimiert nach Hause gefahren.

Meine Grauen waren Fremden gegenüber immer sehr zurückhaltend, gingen zu keinem anderen Menschen, ließen sich nicht anfassen, geschweige denn händeln. Wenn Besuch da war, kamen sie nicht ins Wohnzimmer, sondern blieben im Wintergarten und waren auch nicht bereit zu zeigen, wie toll sie sprechen konnten. Graupapageien sind sehr sensible Tiere, sie können sich nur sehr schwer an eine neue Situation gewöhnen. Wer selbst Graupapageien hält, wird das bestätigen können.

An wen sollte ich irgendwann einmal solche Tiere guten Gewissens weiter vermitteln, meine Söhne werden sie nicht übernehmen. Also heißt das für mich, ich muss jetzt dafür sorgen, damit sie in Ruhe und glücklich alt werden können. Ich habe beim Kauf auch dafür die Verantwortung übernommen.

Seit ich nun in Marcus' Forum bin und auch täglich mit den Grauen trainiere, hat sich so vieles positiv verändert. Die Geschichte, die ich hier erzählen möchte, hätte sich ohne den Aufbau von großem Vertrauen durch Training mit meinen Papageien überhaupt nicht ereignen können:

Graupapagei - Ringe aufstecken

Graupapagei steckt Ringe auf

Graupapagei beim Puzzle

Puzzlespiel

Graupapagei beim Training

Tom trainiert das erste Mal

Seit Jahren kommt ein junges Ehepaar zu uns in die Gaststätte. Sie haben einen mittlerweile elfjährigen Sohn, Tom. Als mich Toms Mama fragte, ob Tom sich meine Papageien mal ansehen dürfte, sagte ich sehr gerne zu. Mir kam dabei sogleich ein toller Gedanke! Dies wäre doch eine gute Gelegenheit zu testen, was mein bisheriges Training meinen Tieren für Vorteile gebracht hat.

Ich fragte Tom ob er nicht Lust hätte, mal mit dem Targetstick zu arbeiten und erklärte ihm, was der Targetstick ist und für was und warum ich ihn einsetze. Er war sofort begeistert. Ich muss noch dazu sagen, meine Tiere haben Tom oder seine Mutter Birgit vorher noch nie gesehen. Es sind also Fremde für meine Tiere. Wir vereinbarten einen Tag, an dem ich frei hatte, und beide kamen zu mir nach Hause. Tom war total aufgeregt und ich natürlich auch. Wie würde dieser Test ausgehen? Was für ein Verhalten würden meine Grauen in dieser ganz neuen Situation zeigen?

Ich ließ Coco, Bibo und Pauli zum Training ins Wohnzimmer. Tom setzte sich auf den Boden mit dem Trainingsspielzeug. Vorher hatte ich Tom genau erklärt, wie er den sekundären Verstärker "Gut" und den primären Verstärker (Nuss) einsetzen soll. Ich war überrascht, wie schnell der Junge alles verstand. Die drei Grauen waren zuerst einmal überrascht, saß da auf einmal ein ganz anderer Mensch als sonst bei dem Spielzeug auf dem Boden! Zunächst waren alle drei sehr zurückhaltend, sind dann aber zu Tom gelaufen.

Graupapagei beim Training

Graupapagei beim Training

Graupapagei beim Training

Er hielt den Targetstick in der Hand und hat sie zu sich gerufen. Meine Tiere sahen in diesem Moment nur den Targetstick, nicht diesen fremden Menschen. Sie haben ja gelernt, Targetstick berühren bedeutet positive Verstärkung.

Tom ließ Bibo von A nach B kommen, Bibo war zwar etwas zurückhaltend, aber dennoch berührte er immer den Targetstick. Auch Pauli und Coco holten sich ihren Verstärker bei Tom ab.

Dieses Erlebnis und das Training mit Tom zeigen mir, ich bin auf dem richtigen Weg! Training bedeutet nicht nur, dass die Tiere Gegenstände apportieren lernen; Zweck des Trainings ist auch nicht die Belustigung für den Halter. Training bedeutet Arbeit für den Halter, Arbeit, die allerdings viel Spaß bringt. Es sorgt dafür, mit seinem Tier zu kommunizieren und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Die Tiere werden durch Training mental gefordert und zur Aktivität motiviert. Sie werden selbstsicherer und können mit neuen Situationen und Veränderungen viel entspannter umgehen, wie man an dieser kleinen Geschichte wunderbar erkennen kann.

Ich werde mir nun nicht mehr ganz so viel Sorgen machen müssen, ob sie wohl zurecht kommen, wenn ich sie irgendwann einmal abgeben muss.

Zum guten Schluss, Training schafft eine gute harmonische Atmosphäre für Mensch und Tier.