Mit Papageien leben

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Papageientraining - warum?

Das Internet ist voll von Äußerungen wie diesen:

  • Wozu einen Papagei trainieren? Der muss keine Kunststückchen können, in der Natur sortieren Vögel auch keine bunten Klötzchen oder fahren Rollschuh. Das ist Dressur und dient nur dem Ego des Halters, es schadet dem Vogel. Er wird dadurch zum Clown gemacht und zum Spielzeug des Menschen.
  • Vögel sollen so natürlich wie möglich gehalten werden, ohne zu viel menschlichen Kontakt.
  • Vogel soll Vogel bleiben. Mit Training wird er vermenschlicht und gezwungen, etwas zu tun, was nicht seiner Natur entspricht.
  • Wenn der Papagei dich beißt, dann hast du eben ein aggressives Exemplar, wahrscheinlich eine fehlgeprägte Handaufzucht, die keine Distanz zum Menschen kennt. Da kann man nichts machen.
  • Wenn der Papagei dich angreift, will er sein Revier verteidigen. Das ist angeboren und sein gutes Recht. Da kann man nichts machen.
  • Und so weiter...

Stimmen solche Aussagen?
Nein, sie stimmen nicht. Papageien lieben das vernünftige Training mit positiver Verstärkung und ohne jeden Zwang. Es ist eine sinnvolle Bereicherung ihres Lebens in einer Haltung.

Helfen sie dem Halter?
Nein, denn unerwünschte Verhaltensweisen des Papageien verleiten den Halter häufig dazu, dass er sich weniger mit ihm beschäftigt und ihn eventuell bestraft, was dazu führt, dass sein Verhältnis zu dem Vogel noch schlechter wird.

Helfen sie dem Papagei?
Nein, denn es ist dem Vogel nicht angeboren zu wissen, was dem Menschen gefällt und was nicht. Er tut einfach nur das, was sich für ihn lohnt. Es ist Aufgabe des Halters, dem Papagei zu vermitteln, wie er sich in der Menschenwelt verhalten kann, sodass das Zusammenleben von Mensch und Tier für beide Seiten erfolgreich und ohne unnötigen Stress funktioniert - und das lässt sich nur mit gutem Training erreichen.

Aber ich will meine Papageien doch gar nicht trainieren!
Ob du willst oder nicht, du trainierst deine Papageien ständig! Sobald sie dich sehen oder hören können, lernen sie. Das ist deine Chance und dein Risiko zugleich - sie können dabei erwünschte Verhaltensweisen lernen oder ebenso leicht Unarten. Es hängt ganz davon ab, wie gut du darüber Bescheid weißt, wie ihr Lernen funktioniert.

Was ist und was will Training überhaupt?

Wenn wir mit dem Begriff Training von Tieren konfrontiert werden, denken wir meistens zuerst an irgendwelche Show-Veranstaltungen, wo die Tiere zur Unterhaltung der Zuschauer allerlei Kunststückchen vorführen müssen. Wir glauben, dass die Tiere dazu gezwungen werden, sei es mit Bestrafung, sei es mit Futterentzug, auf jeden Fall schleicht sich bei uns ein ablehnendes Gefühl ein. Wir finden die Show zwar gut, möchten aber gar nicht so genau wissen, wie man die Tiere dazu kriegt, so auf Kommando etwas zu tun.

Möchten aber gar nicht so genau wissen? Warum denn nicht? Ohne Wissen bilden wir uns eine Meinung, schließen uns anderer Leute Meinung an, fällen ein Urteil? Das kann's doch nicht sein, dachte ich mir und habe mich ein wenig schlau gemacht.

Im modernen Tiertraining haben Zwang, Futterentzug, Strafe keinen Raum. Statt dessen wird so gearbeitet, dass das Tier beim Training nur positive Erfahrungen macht und für jede richtig ausgeführte Übung eine angenehme Konsequenz (in der Regel ein Stück leckeres Futter) zu erwarten hat. Nicht richtig ausgeführte Übungen werden vom Trainer ignoriert und das Tier zur Wiederholung aufgefordert. Das Tier entscheidet dabei, ob es die Übung machen will oder nicht, ob also das Futterstückchen interessant genug ist oder eben nicht. Jeder, der schon mal eine Greifvogel-Flugshow gesehen hat, wird sich möglicherweise an Worte des Falkners erinnern, die etwa so lauten: "Es kann schon sein, dass einer keine Lust hat zurückzukommen und sich lieber im Baum ausruht. Dann müssen wir eben warten, bis er es sich anders überlegt, das kann auch mal Stunden dauern." Der Vogel entscheidet!

Ja aber.... bei Papageien? Die werden dadurch doch viel zu sehr auf den Halter fixiert und von ihrem (hoffentlich vorhandenen) Partner entfremdet? Hm, bei einmal oder zweimal täglich vielleicht 10 - 20 Minuten Training? Außerdem kann auch mit zwei Vögeln trainiert werden. Sie werden es als willkommene Abwechslung sehen und sich schon aufs nächste Training freuen!

Vielleicht sollten wir erst einmal überlegen, was Training überhaupt ist, was es bedeutet für denjenigen, der trainiert wird und für den Trainer. Für denjenigen, der trainiert wird, bedeutet es nichts weiter als lernen und üben. Für den Trainer bedeutet es, die richtige Methode zu finden, um dem "Schüler" das Lernen zu ermöglichen.

Papageien und Sittiche sind sehr intelligente und lernfähige Tiere, das wird jeder bestätigen können, der Papageien hält. So gut wie alles, was sie tun, haben sie irgendwann gelernt, denn angeboren ist ihnen fast nichts von dem, was sie tun.

Sie können und tun auf einmal Dinge, die ihnen "keiner beigebracht hat", und oftmals sind das nicht gerade die Dinge, die uns gefallen. "Keiner beigebracht" mag insofern stimmen, als wir sicherlich nicht die Absicht hatten, ihm beizubringen, hinterherzurufen, wenn wir den Raum verlassen oder irgendwelchen Blödsinn anzustellen. Wir haben dennoch unbewusst die "richtige Methode" angewendet, um ihn genau das lernen zu lassen, denn einfach so aus sich heraus hat er das nicht!

Lernen

Hier ist ein kurzer Exkurs fällig, wie Lernen funktioniert. Der Vogel tut etwas und hat Erfolg damit, also wird er es wieder tun. Der Vogel kriegt das erste Mal im Leben einen Sonnenblumenkern, kaut darauf herum, bis die Schale aufplatzt und merkt, das da drin schmeckt lecker! Beim nächsten Sonnenblumenkern wird er wieder darauf herumkauen, bis er aufplatzt und wieder: Lecker! Die nächsten Kerne werden schneller aufgemacht sein... Du setzt den Vogel in die Voliere und gehst aus dem Raum, er ruft, du gehst zurück, redest mit ihm, gibst ihm vielleicht noch eine Nuss oder sein Spielzeug, bevor du wieder gehst. Das machst du 2-3 Mal, und was hat der Vogel nun gelernt? Hinterherrufen hat Erfolg! Er nagt an den Möbeln, du schimpfst mit ihm, holst ihn da weg. Na prima, Du hast dich mit ihm beschäftigt!

Papageien sind intelligent, aber wir dürfen diese Intelligenz auch nicht überschätzen und dem Vogel unterstellen, er täte irgendwas in unseren Augen Ungehöriges, um uns zu ärgern. Er tut es nur deshalb, weil es für ihn Erfolg bringt, einen Nutzen hat. Das dürfen wir nie, wirklich nie vergessen im Umgang mit den Tieren.

Zurück zum Training

Wir trainieren den Papagei ständig, durch unsere Anwesenheit, durch das, was wir in seiner Nähe tun, durch das, was wir mit ihm tun, denn wir schaffen damit die Voraussetzungen und Bedingungen, unter denen er etwas lernt. Selbst der Volierenvogel mit wenig Kontakt zum Menschen wird auf diese Weise trainiert, denn wir bringen schließlich das Futter, machen sauber, bringen frische Äste, usw.

Alles, was wir tun müssen, damit der Papagei nichts in unseren Augen Falsches lernt, ist, unser eigenes Verhalten ihm gegenüber, unser eigenes Tun in seiner Nähe, so zu ändern, dass er etwas "Gutes" lernt - und schon haben wir gezieltes Training!

  • Mit dem richtigem Training kann man Papageien wunderbar beschäftigen und geistig auslasten.
  • Mit dem richtigen Training kann man auch Fehlverhalten wie Schreien und Beißen korrigieren.
  • Richtiges Training schafft eine entspannte Atmosphäre, und zwar für Tier und Halter, oder glaubt da einer, Revierverteidigung, Angriffe, Beißen, stundenlang rufen wären kein Stress für das Tier? Es weiß nur nicht, was es statt dessen tun soll, und das können wir ihn lehren.

Sind wir immer noch der Meinung, Training wäre überflüssig?

Eine Tiertrainerin in einem sehr schönen und großzügigen Robbarium sagte während der Schaufütterung in etwa Folgendes: "Glauben Sie, wir lassen die Seehunde mit Bällen spielen, auf Zuruf heranschwimmen und sich zum Ende der Show alle nebeneinander am Beckenrand aufreihen, nur damit es etwas zu gucken gibt? Nein, das hat einen tieferen Sinn. Die Tiere haben dadurch Vertrauen zu uns. Wenn sie am Beckenrand aufgereiht liegen, fassen wir sie immer an der Schwanzflosse an. Sie kennen das. Und wenn wir sie impfen müssen, dann gibts problemlos den kleinen Piks in die Schwanzflosse - ohne Stress, ohne Einfangen, ohne Betäubung.

Trainingserfolge

Hier berichten Halter über ihr Training mit dem Ziel, ein entspanntes Miteinander von Mensch und Papagei zu schaffen:

Leben und Lernen mit Ozzie:

Vom "unberechenbaren" Beißer zum versierten Maler
von Patricia K. Anderson
Papageienpuzzle
Zum Artikel (PDF-Datei)

Unsere Amazonen

von Lilo Pieth
Amazonengruppe
Zum Artikel

Amazonenhähne in der Balzzeit

von Brigitte Block
Amazonenpapageien
Zum Artikel

Nach 20 Jahren Papageienerfahrung

Wie wir endlich zu mehr Freude, Gesundheit und weniger Stress gefunden haben
von Petra Föh
Graupapagei beim Training
Zum Artikel

Graupapageien - mutiger dank Training

von Petra Föh
Graupapagei beim Training
Zum Artikel

 


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